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von Prof. Dr. Stephen Schuster, HdM Stuttgart
10.09.2026

Brand Building und Performance Marketing:
Warum starke Marken bessere Performance erzielen

Performance Marketing liefert schnelle Ergebnisse. Brand Building schafft langfristige Nachfrage. Lange wurden beide Ansätze gegeneinander ausgespielt. Heute ist diese Trennung kaum noch sinnvoll. Denn starke Marken wirken nicht erst im Kaufmoment. Sie erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Aktivierung, Vertrieb und Abverkauf überhaupt effizient funktionieren.

 

Die eigentliche Schwäche der Performance-Logik

Marketing steht unter Druck. Budgets müssen sich rechtfertigen, Kampagnen sollen schneller wirken und Geschäftsführungen erwarten belastbare Ergebnisse. In dieser Situation wirkt Performance Marketing besonders attraktiv: Es ist steuerbar, kurzfristig optimierbar und scheinbar präzise messbar über Kennzahlen wie Klicks, Leads oder Conversions.

Doch kurzfristige Messbarkeit ist nicht automatisch langfristige Wirksamkeit. Der Kaufmoment ist selten der Anfang einer Entscheidung. WPP Media veröffentlichte 2025 gemeinsam mit der Saïd Business School die Studie „How Humans Decide“ auf Basis von 1,2 Millionen Purchase Journeys. Das zentrale Ergebnis: Bei 84 Prozent der Käufe wählen Menschen Marken, für die bereits eine Voreinstellung oder Präferenz besteht.

Viele Entscheidungen entstehen also nicht erst am Regal, in der Suche oder im Shop. Dort werden sie häufig nur sichtbar. Vorher haben sich Erfahrungen, Erwartungen und Erinnerungen aufgebaut. Dieser Effekt wird als Brand Priming beschrieben: Eine Marke ist bereits positiv vorgeprägt, bevor ein konkreter Kaufimpuls entsteht.

Aktivierung bleibt aber wichtig. Angebote, Suchergebnisse, Produktseiten, Händlerplatzierungen oder Maßnahmen am Point of Sale können Entscheidungen erleichtern. Sie wirken aber stärker, wenn eine Marke bereits bekannt, verstanden und positiv abgespeichert ist.

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Warum Markenaufbau kein Luxus ist

Brand Building ist demnach kein weiches Gegengewicht zu Performance. Es baut mentale Verfügbarkeit auf. Eine Marke muss in relevanten Kaufsituationen schnell in den Sinn kommen, eindeutig eingeordnet werden und im Idealfall eine positive Präferenz auslösen.

Die 95-5-Regel des Ehrenberg-Bass Institute macht dieses Prinzip besonders deutlich: Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist nur ein kleiner Teil potenzieller Käufer aktiv im Markt. Ein deutlich größerer Teil wird erst später kaufbereit. Wer fast nur in kurzfristige Aktivierung investiert, bearbeitet vor allem den sichtbaren Teil des Marktes. Wer wachsen will, muss aber auch bei den Menschen präsent sein, die heute noch nicht kaufen, morgen aber relevant werden.

Operativ bedeutet das: Markenaufbau darf kein Restbudget sein. Ein kontinuierlicher Teil der Investitionen muss in Reichweite, Wiedererkennung, Präferenz und mentale Verfügbarkeit fließen. Brand Building sorgt nicht nur für ein besseres Image. Es reduziert langfristig den Druck auf Akquise, Vertrieb und Preis.

 

Starke Marken machen Aktivierung effizienter

In vielen Unternehmen werden Brand Building und Performance Marketing organisatorisch getrennt. Das langfristige Markenbudget wird anders geplant als das kurzfristige Aktivierungsbudget. Image und Abverkauf folgen unterschiedlichen Bewertungslogiken. Genau dieses Muster zeigt sich auch in einer Nielsen-Studie für Europa: Nur 23 Prozent der Marketer messen ihre digitalen und klassischen Media-Ausgaben ganzheitlich. So entsteht eine künstliche Trennung: hier Marke, dort Performance.

Menschen erleben Marken jedoch nicht in Budgetspalten, sondern über Kontaktpunkte. Jeder dieser Kontakte kann Wahrnehmung prägen, Vertrauen aufbauen oder eine Kaufentscheidung erleichtern. WARC beschreibt diese Verbindung im Report „The Multiplier Effect“: Eine starke Marke verbessert die Wirkung späterer Aktivierung. Wenn Menschen eine Marke bereits kennen, verstehen und ihr vertrauen, muss ein Kaufimpuls weniger Überzeugungsarbeit leisten. Performance wird dadurch nicht ersetzt, sondern effizienter. Starke Marken werden schneller erkannt, leichter erinnert und seltener ausschließlich über den Preis bewertet. Das kann Akquisekosten senken, Conversion-Wahrscheinlichkeiten erhöhen und Preissensibilität reduzieren.

Genau darin liegt der betriebswirtschaftliche Wert von Brand Building: Es schafft nicht nur langfristige Bekanntheit, sondern verbessert die Bedingungen, unter denen kurzfristige Aktivierung wirken kann.

 

Wie Unternehmen Brand Building und Performance Marketing künftig denken müssen

Die zentrale Aufgabe für Unternehmen und Marken besteht darin, Brand Building und Performance Marketing nicht länger als getrennte Disziplinen zu behandeln. Beide zahlen auf dieselbe Wachstumslogik ein. Ein Full-Funnel-Ansatz fragt deshalb nicht zuerst, ob eine Maßnahme „Brand“ oder „Performance“ ist. Er fragt, welche Aufgabe eine Maßnahme im Entscheidungsprozess übernimmt.

Kurzfristige Kennzahlen wie Leads, Conversions oder Kosten pro Abschluss bleiben wichtig. Sie sollten aber mit langfristigen Markenindikatoren wie Bekanntheit, Consideration, Präferenz, Wiedererkennung, mentale Verfügbarkeit oder Share of Search verbunden werden.

Auch die klassische Kanaltrennung greift zu kurz. Analoge und klassische Maßnahmen können sehr wohl aktivieren, während digitale Maßnahmen zum Markenaufbau beitragen können. Entscheidend ist nicht, welche Aufgabe ein Kontaktpunkt innerhalb der Customer Journey übernimmt.

 

Fazit: Marke ist kein Gegenpol zu Performance

Die zentrale Frage lautet daher nicht: Brand Building oder Performance Marketing? Sondern: Wie schafft eine Marke die Voraussetzungen dafür, dass Performance Marketing überhaupt effizient wirken kann?

Starke Marken erzielen bessere Performance, weil sie Kaufimpulse vorbereiten. Sie werden schneller erkannt, leichter erinnert und mit weniger Überzeugungsaufwand gewählt. Brand Building ist deshalb kein Gegenpol zu Performance Marketing. Es ist die Grundlage dafür, dass Aktivierung langfristig wirksam und wirtschaftlich bleibt.

FAQ: Wie Brand Building und Performance Marketing zusammenspielen

Brand Building stärkt Bekanntheit, Vertrauen und Präferenzen langfristig. Performance Marketing konzentriert sich auf kurzfristige Ziele wie Leads, Conversions und Verkäufe.

Bekannte Marken werden schneller erkannt und eher gewählt. Das senkt Akquisekosten und verbessert die Conversion-Wahrscheinlichkeit.

Nur etwa fünf Prozent potenzieller Kunden sind aktuell kaufbereit. Die übrigen 95 Prozent müssen durch kontinuierlichen Markenaufbau erreicht werden.

Eine Marke besitzt mentale Verfügbarkeit, wenn sie Menschen in einer Kaufsituation sofort in den Sinn kommt. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Kaufentscheidung.

Brand Priming beschreibt die positive Vorprägung einer Marke durch frühere Erfahrungen oder Kontakte. Kaufentscheidungen werden dadurch oft schon vor dem eigentlichen Kaufmoment beeinflusst.

Kurzfristig ja. Für nachhaltiges Wachstum braucht es jedoch zusätzlich Markenaufbau, um Nachfrage und Vertrauen langfristig zu sichern.

Ein Full-Funnel-Ansatz verbindet Markenaufbau und Aktivierung entlang der gesamten Customer Journey – von der ersten Wahrnehmung bis zum Kauf.

Ja. Content-Marketing, Social Media und Videos stärken Bekanntheit und Vertrauen und unterstützen damit den langfristigen Markenaufbau.

Markenaufbau schafft Nachfrage, Performance Marketing aktiviert sie. Erst das Zusammenspiel beider Disziplinen ermöglicht nachhaltiges Wachstum.

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